10.04.2018, von Ralf Kosse

Zwei neue Fahrzeuge und eine Besonderheit

Feierliche Einsegnung beim THW Gronau

Text + Fotos: Ralf Kosse

Im Herbst 2017 erhielt das Technische Hilfswerk Gronau nach langer Wartezeit zwei brandneue Einsatzfahrzeuge: einen Einsatz-LKW („MLW4“) für sieben Hilfskräfte, Werkzeuge und Rettungsgeräte sowie einen neuen Notstromerzeuger mit stattlichen 200kVA Leistung. Diese Fahrzeuge wurden am 6. April 2018 offiziell übergeben und feierlich eingeweiht.

Die Besonderheit bei der Einweihung: sie wurde vorgenommen von Pater Florian Maria Lim, der im Februar 2018 seine  Priesterweihe empfing. Von 2001 bis 2005 war Pater Lim als ehrenamtlicher Helfer im THW-Ortsverband Gronau aktiv und hat sich in Einsätzen und Übungen einen Namen gemacht. In dieser Zeit war der jetzige Priester noch als Ingenieur an der Universität Enschede in der Forschung tätig. Der MLW4 ist dabei der direkte Nachfolger desjenigen Fahrzeuges, auf dem Florian Lim in seiner aktiven THW-Zeit eingesetzt war.

Zusammen mit den THW-Helferinnen und Helfern aus dem THW-Ortsverband Gronau feierten auch die Nachbarn, befreundete Organisationen wie die THW-Nachbarortsverbände, das Deutsche Rote Kreuz, die Feuerwehren Gronaus, sowie Vertreter aus Bundestag, Stadtrat und Verwaltung. Sogar der Vorsitzende der niederländischen Feuerwehr („Brandweer“), Stefan Wevers, war mit einigen Kameraden anwesend – er wohnt in Gronaus niederländischer Nachbarstadt Enschede und ist dem THW Gronau freundschaftlich verbunden.

Die Begrüßung am Eingang der THW-Unterkunft erfolgte ganz westfälisch-klassisch durch einen „Kiepenkerl“, der mit Schnaps und Mettwurst und lustigen „Dönekes“ die Gäste umsorgte. Dabei handelte es sich um den in Gronau bekannten Georg Frieler, der in den 1950er Jahren im THW Gronau tätig war und zu den THW-Helfern allererster Stunde gehörte.

Den offiziellen Teil des Abends leitete Gronaus THW-Ortsbeauftragter Lutz Schabbing ein, der sich insbesondere bei der Politik für die Finanzierung der neuen Fahrzeuge bedankte. Diesen Dank wiederholte auch der THW-Landesbeauftragte für NRW, Dr. Hans-Ingo Schliwienski, der darauf hinwies, dass in diesem Jahr 230 und in den nächsten Jahren insgesamt 800 neue Fahrzeuge bundesweit für das Technische Hilfswerk beschafft werden. „Ich habe den Eindruck, dass die beiden neuen Fahrzeuge hier in Gronau sehr gut aufgehoben sind – selbst die älteren Fahrzeuge auf dem Hof sind in einem hervorragenden Zustand, wie ich vorhin selbst beobachten konnte“, so Schliwienski.

Dass die Fahrzeuge von einem ehemaligen THW-Helfer des Ortsverbandes Gronau eingesegnet werden, das hatte der Landesbeauftragte in seinen „über 30 Dienstjahren im THW auch noch nicht erlebt“. Schliwienski übergab den Fahrzeugschlüssel für den „Mannschaftslastwagen 4“ (MLW4) an den Gruppenführer der zweiten Bergungsgruppe, Dennis Franke und den Schlüssel für den Notstromerzeuger 200kVA an den Gruppenführer der Fachgruppe Elektroversorgung, Michael Dierselhuis. Der MLW4 wird die Helfer der zweiten Bergungsgruppe mit deren Rettungsgeräten und Werkzeugen transportieren; der Stromerzeuger liefert soviel elektrische Leistung, dass z.B. ganze Straßenzüge oder in Notlagen und Katastrophen mit Strom versorgt werden können. Gerade den Gronauern sind die Notstromerzeuger des THW aus dem „Schneechaos“ 2005 noch ein Begriff.

Vor den Grußworten aus der Politik erfolgte die Einsegnung der Fahrzeuge durch Pater Florian Maria Lim mit Weihwasser aus der Osternacht. Pater Lim war aus seinem Heimatorden in Maria Bronnen nahe Freiburg nach Gronau gekommen und konnte so seine alten Kameraden besuchen und die Einsegnung vornehmen. In seiner Rede nahm er Bezug auf seine Zeit im THW und die Einsätze und Übungen, an denen er aktiv teilnahm. So konnte er auch am Revers unter dem Abzeichen der Augustiner Chorherren seine beiden Einsatzmedaillen aus dem Elbe-Hochwasser 2002 vorzeigen. Das Paulus-Wort „Einer trage des anderen Last“ konnte er in seiner Andacht bildlich auf die Arbeit im THW übertragen.

Die Gronauer Bürgermeisterin Sonja Jürgens lobte in ihrer Begrüßungsrede die Arbeit des Gronauer THW. Die Stadt sei sehr froh über die Arbeit des THW, wo Jugendarbeit und Kameradschaft stets groß geschrieben werde. „Das THW ist immer zur Stelle, egal ob Hochwasser im eigenen Ort, Ölschäden aus Kavernen oder eine fordernde Flüchtlingssituation“. Augenzwinkernd resümierte sie: „THW-Strom ist blau!“.

Ingrid Arndt-Brauer, Mitglied des Bundestages und Vorsitzende des Finanzausschusses, nahm den Dank der Vorredner zu den Finanzmitteln aus Berlin für das THW gerne an. Das Geld sei sehr gut ausgegeben, die freiwillige Arbeit der ehrenamtlichen Hilfskräfte sei alles andere als selbstverständlich. „Für solche Einsatzfahrzeuge treibt man doch gerne Steuern ein“ ließ sie schmunzeln vernehmen. Zur aktuellen Problematik mit gewalttätigen Übergriffen auf Einsatzkräfte forderte sie höhere Strafen für die Täter.

Dennis Franke, der als Gruppenführer den neuen MLW4 mit seiner Gruppe benutzen wird, hatte noch eine Überraschung für seine beiden Amtsvorgänger, Jens Jansen und Josef Bätker vorbereitet: Bilderrahmen für die beiden ehemaligen Gruppenführer persönlich sowie für die Unterkunft. Auf diesen sind alte Bilder vom „Gerätekraftwagen 2“, dem Vorgänger des neuen Fahrzeuges, zu sehen. Auch den Hersteller-Schriftzug des alten LKW hatte Franke vor dessen Aussondern abmontiert – es ziert nun den schmucken Holzrahmen mit den Bildern für die THW-Unterkunft.

Nach einer kurzen Rückschau auf die Anfänge des THW in Gronau mit lediglich Schubkarren statt LKW durch Kiepenkerl Georg Frieler begann der gesellige Teil des Abends mit Buffet und vielfältigen Gesprächen. Die unterschiedlichen Gesandten aus den Hilfsorganisationen konnten sich untereinander und mit den Vertretern der Politik austauschen, zudem konnten sich alle ein detailliertes Bild von den neuen Fahrzeugen und der sonstigen Ausstattung im THW Gronau machen.


Presseartikel der Westfälischen Nachrichten, Lokalteil Gronau:

Mit „blauem Strom“ gegen Katastrophe


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