01.03.2009, von Jörg Wilming

THW sprengte den 112 Jahre alten Schornstein

in Großbrand in einer ehemaligen Textilfabrik im Gronauer Ortsteil Epe forderte seit Alarmauslösung in der Nacht von Freitag auf Samstag beide Löschzüge der Stadt, aber auch die hinzugezogenen Nachbarwehren. Dort gelagerte Möbel, aber auch dort ansässige Kleinbetriebe fielen dem Großbrand zum Opfer. In den frühen Morgenstunden wurde das Technische Hilfswerk in Gronau durch die Kreisleitstelle alarmiert. Baufachberater Kurt Leonhart und sein Kamerad Frank te Kempel (OV Emmerich) stellten eine Schieflage des 35 Meter hohen Schornsteins fest. Das THW bekam den Auftrag, die Sprengung des Bauwerks in Angriff zu nehmen.

Den vor Ort eingesetzten THW-Helfern, die die Sprengung vorbereiten sollten, bot sich in unmittelbarer Nähe des Schornsteins ein Bild des Grauens. Das während des Großeinsatzes der Feuerwehr bei Aufgabe des Fabrikgebäudes zurückgelassene Gerät wie Verteiler, Schläuche oder Scheinwerfer waren den Flammen zum Opfer gefallen. Den THW-Helfern gelang es aber, sich zum Schornstein vorzuarbeiten. Das angrenzende Gebäude war vollständig ausgebrannt und danach eingestürzt, aus den anderen Gebäuden loderten die Flammen.

Glück im Unglück hatte eine niederländische Firma, die Abschussgeräte für Großfeuerwerke eingelagert hatte. Sie konnte ihr Material noch rechtzeitig in Sicherheit bringen. Die Feuerwerkskörper, so ein Mitarbeiter der Firma, lagern allerdings im ehemaligen Munitionsdepot in Ochtrup, sodass der Bevölkerung Epes eine Feuerwerkskatastrophe wie 2000 in Enschede erspart blieb.

Glück hatte auch der Besitzer einer fahrbaren Glühweinhütte. Sein Anhänger, aber auch die in unmittelbarer Nähe des Schornsteins geparkte fahrbare Reibekuchen-Bratstation des „Bund ohne Namen“ waren bereits von den Rettungskräften aufgegeben worden und schienen unter dem gesprengten Schornstein zu verschwinden, wenn fleißige Hände des Technischen Hilfswerks nicht eine Sofortaktion zur Rettung der beiden Anhänger durchgeführt hätten.

Zwei THW-Fachgruppen „Sprengen“ aus Oberhausen und aus Ratingen waren vor Ort und Sprengmeister Martin Schubert ordnete die Vorbereitung zur Sprengung an. Da keine Pläne über die Wandstärke und den inneren Aufbau des Kamins vorlagen, musste erst einmal die Wandstärke des Schornsteins festgestellt werden. Das neue Gerüstbausystem es THW Gronau leistete dafür gute Dienste, musste aber unter schwerem Atemschutz aufgebaut werden. Ein Mitarbeiter der Stadtwerke Gronau überprüfte vor Ort noch einmal, ob die Stromversorgung getrennt war, denn auf dem Schornstein waren die Sendeantennen mehrerer Mobil-Telefonanbieter installiert. Erst dann durchtrennten die THW-Helfer aus Gronau die Leitungen.

Die fehlenden Kernbohrgeräte, mit denen Löcher von einem Durchmesser von ungefähr 7,5 Zentimetern in den Sockel des Kamins gebohrt werden sollten, stellten die Stadtwerke und eine in Gronau ansässige Firma zur Verfügung. Gute Arbeit hatten die Baumeister vor ungefähr 112 Jahren geleistet. Es war nicht einfach, die großen Löcher in den Sockel zu bohren, damit die Sprengladung eingebracht und die Fallrichtung vorgegeben werden konnte. Die Wanddicke von mehr als einem Meter und die hart gebrannten Ziegel des Sockels leisteten anfänglich Widerstand und es dauerte eine geraume Zeit, bis die die Helfer mit den Kernbohrgeräten die notwenigen Löcher in das Mauerwerk gebohrt hatten.

5 Kilogramm Sprengmasse hatte das THW Ratingen mitgebracht, die von den fachkundigen Spezialisten des Technischen Hilfswerks aus Oberhausen und Ratingen im Laufe des Abends in die Bohrlöcher eingefügt worden waren.

Die erste Sprengung blieb dann erfolglos, da eine Sprengladung nicht gezündet hatte (Teilversager). Beim zweiten Mal wurde eine geballte Ladung an den noch stehenden Ecken rechts und links angebracht. Am Sonntag um 3,34 Uhr fiel dann der im Jahre 1897 errichtete Schornstein genau in die Richtung, in die er fallen sollte. Es wurde gelatinöser Gesteinssprengstoff (Ammon-Salpeter-Sprengstoff des Typs Eurodyn 2000) eingesetzt. Über den Denkmalsschutz braucht sich nun keiner mehr Gedanken zu machen, wie ein Mitarbeiter der Stadt Gronau bemerkte.

Die im Umkreis von 300 Metern evakuierte Bevölkerung konnte nach der Sprengung ihre Wohnungen und Häuser wieder in Besitz nehmen.


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