Gronau. Die Gerüchteküche brodelte schon lange, doch nun ist es offiziell: Das Technische Hilfswerk (THW) Gronau wird nicht wie geplant eine neue Unterkunft bauen, sondern stattdessen das seit Jahren leerstehende und architektonisch markante Deilmann-Rathaus beziehen. Diese überraschende Wende in der Standortfrage ist das Ergebnis intensiver Verhandlungen zwischen der Stadt Gronau, dem THW-Ortsverband und den Erben des Architekten Harald Deilmann.
Historische Pläne werden Wirklichkeit
Die Idee, das Rathaus aufzugeben und dem THW zu überlassen, ist nicht neu. Bereits in den 90er Jahren (siehe Foto) gab es erste Überlegungen der Stadt Gronau, das damals als ungeliebtes Objekt empfundene Gebäude einer neuen Nutzung zuzuführen. Der damalige Stadtdirektor Dr. Dietmar Breer führte sogar erste Gespräche mit dem THW-Ortsverband (siehe Fotos). Doch erst durch eine vor einigen Wochen erzielte Einigung mit den Erben von Harald Deilmann, dem Schöpfer des futuristischen Rathauses aus den 70er Jahren, konnte der alte Plan nun Realität werden.
Vorteile für beide Seiten
Die Stadt Gronau zeigt sich erleichtert, das Sorgenkind Deilmann-Rathaus endlich loszuwerden. Das Gebäude war aufgrund seiner aufwendigen Architektur und der maroden Haustechnik lange Zeit ein finanzielles Fass ohne Boden. Für den THW-Ortsverband Gronau hingegen bietet die neue Unterkunft mit einer Fläche von 13.000 Quadratmetern ideale Bedingungen. Neben ausreichend Platz für die Unterkunft und Zentrale bietet das weitläufige Gelände und das Gebäude selbst vielfältige Übungsmöglichkeiten.
Umnutzung der Räumlichkeiten
Die alten Büroräume des Rathauses werden zu modernen Schulungsräumen, einer gut ausgestatteten Küche und großzügigen Umkleiden umfunktioniert. Das umfangreiche Kellergeschoss wird zum ultimativen Übungsobjekt für die THW-Helfer. Zwischen den schweren Betonwänden können verschiedene Szenarien wie die Rettung von Personen aus Trümmern oder das Vordringen in verrauchte Gebäude realistisch geübt werden. Die Klimaanlage, die Jahrzehnte lang Sorgenkind und Frustursache der Mitarbeitenden der Stadtverwaltung war, dient als überdimensionale Nebelmaschine für Großbrand-Feeling. Die Heizungsanlage kann als Löschobjekt mitverwendet werden. Ein besonderes Highlight ist die Möglichkeit, das Aluboot des Ortsverbandes direkt aus dem Keller in die neben dem alten Rathaus entlangfließende Dinkel zu fahren.
Innovatives Übungskonzept
Florian Ewering, der Gronauer THW-Ortsbeauftragte, erklärt: "Die Wanddurchbrüche sind für uns als THW ein Klacks. Mit unserer Betonkettensäge ist das ein Samstagnachmittag und wir können aus dem Rathauskeller bis zum Ijsselmeer fahren." Besonders stolz ist er auf das innovative Übungskonzept: "Erst vor gut einem Jahr hat die Gronauer THW-Helfervereinigung genau deswegen einen Elektromotor gekauft. Dieser kann ohne schädliche Abgase auch in den Kellerräumen betrieben werden und ist super umweltfreundlich."
Optische Aufwertung des Gebäudes
Auch äußerlich wird das Deilmann-Rathaus aufgewertet. Jahrzehntelang von vielen Gronauern als Schandfleck empfunden, werden die aggressiv-gelben 70er-Jahre-Fenster nun in modernem THW-blau (RAL 5002) umgestaltet. Der graue Beton der brutalen Architektur wird THW-üblich reinweiß gestrichen. "Alleine dadurch hoffen wir, der Gronauer Bevölkerung etwas Schmeichelndes fürs Auge zu geben", so Ewering weiter.
Wann genau der Ortsverband in das Gebäude einziehen wird, steht noch nicht endgültig fest - seit dem 1. April 2026 ist jedoch alles in “trockenen Tüchern”. In THW-Kreisen ist jedoch bereits von einer ungewöhnlich großzügigen Unterkunft die Rede, die nicht nur als Stützpunkt, sondern auch als Übungs- und Ausbildungszentrum neue Möglichkeiten eröffnen könnte.