18.05.2003, von Hans Dieter Meyer

Runder Tisch über grenzüberschreitende Zusammenarbeit

Blick aus dem Korb der Feuerwehr-Drehleiter über das Messegelände

Im Rahmen des nordrhein-westfälischen Projektes „Harmonisierung der Gefahrenabwehr in Deutschland und Europa nahm das Technische Hilfswerk im Mai im niederländischen Rosmalen an der Fachmesse „Ramp(en)bestrijding“(Katastrophenschutz) teil. Mit Kompetenz und Sachverstand stellte sich das deutsche THW dort vor und demonstrierte seine Bergungseinheiten und Fachgruppen sowie die SEEBA, die Schnelleinsatzeinheit für Bergungseinsätze im Ausland. 

„Auch die weiteste Reise beginnt mit einem ersten Schritt“, zitierte THW-Landesbeauftragter Dr. Ingo Schliwienski ein chinesisches Sprichwort. Er sei fest davon überzeugt, dass die Gefahrenabwehr ein europäisches Thema sei. Während heute viel über Grenzen hinweg gedacht und gehandelt werde, sah er beim Katastrophenschutz einen gewissen Nachholbedarf. So stelle sich die Zusammenarbeit über politische und organisatorische Grenzen hinweg seit Jahren durchaus gut und eng dar, bestätigten der auf niederländischer Seite für Koordination „öffentliche Ordnung“ und Euregio-Ausschuß der Provinz Limburg zuständige Nico Herzig sowie THW-Geschäftsführer Hermann Klein-Hitpaß (Wesel).

Seit 1985 kümmert sich Klein-Hitpaß um die „Schnelle Einsatzeinheit Bergung Ausland“ und vermittelte schon Elemente an die niederländische Feuerwehr. Noch im Laufe dieses Jahres werden Feuerwehr-Kameraden zu einer Fortbildung über die Grenze kommen, so dass sie eines Tages zusammen mit dem THW zu Auslandseinsätzen fahren könnten. 

Den Messebesuchern aus Nah und Fern wurde darüber hinaus die gesamte THW-Palette dargestellt. Vom Brückenbau bis zu den Tauchen war alles vertreten. Mit dabei auch der Helium-Leuchtballon, eine Digitalfunkstation zusammen mit dem Bundesgrenzschutz, besondere Ortungsgeräte und die Rettungshunde. Neben dieser Fahrzeug- und Geräteschau wurde während der Veranstaltung ein „Runder Tisch“ ins Leben gerufen. Vertreter der Feuerwehren aus den Niederlanden, aus Belgien und Deutschland sowie aus anderen Organisationen wollten damit die Strukturen im Bereich der Gefahrenabwehr gegenseitig kennen lernen und sich in regelmäßigen Abständen mit einsatzrelevanten Themen wie Alarmierungswege, Führungsstrukturen, Ausbildung, Übungen, Harmonisierung der Ausstattung und letztlich gemeinsamen Einsätzen austauschen.

Im VIP-Zelt des THW auf dem Messegelände vereinbarten Feuerwehr, THW, Malteser Hilfsdienst und niederländische Vertreter aus dem Bereich des Katastrophenschutzes einen zweiten Runden Tisch und „Tag der Begegnung“ im Oktober in Deutschland, um das Kennen lernen zu intensivieren und den jetzt in eine neue Phase gegangenen Gedankenaustausch fortzusetzen. 

Vorrangig ging es am Runden Tisch um die grenznahe Kooperation. Eine entsprechende Projektgruppe des THW-Landesverbandes stelle in diesem Zusammenhang fest, dass die dafür vorhandenen bilateralen Abkommen der Bundesrepublik mit den Nachbarländern eigentlich so genannte Großschadenslagen im Hinterkopf hatten, dass die gegenseitige Unterstützung heute aber auch bei kleinen und mittleren Katastrophen funktioniere. „Aus unserer Sicht ist das nicht mehr eine Frage des Wollens“ so Nico Herzig, „wir brauchen die Zusammenarbeit, allein schon aufgrund der vielen Industriegebiete westlich und östlich der Grenzen“.

Der Runde Tisch vertiefte darüber hinaus eine ganze Reihe weiterer Ansatzpunkte, um sich über Grenzen hinweg für den Fall der Gefahrenabwehr gemeinsam aus- und fortzubilden. Die gegenseitige Hilfeleistung bei Katastrophen und schweren Unglücken besonders im grenznahen Bereich erfordert klare Absprachen, insbesondere über die zuständigen Stellen, die Erleichterung des grenzüberschreitenden Verkehrs sowie bei Schadensersatz-. Haftungs- und Kostenfragen.


  • Blick aus dem Korb der Feuerwehr-Drehleiter über das Messegelände

  • Im VIP-Zelt des Technischen Hilfswerk: der Leiter der Feuer- und Rettungswache Gronau, Bernd Schatz sowie der Ortsbeauftragte des THW Gronau, Lutz Schabbing im Gespräch mit dem THW-Landesbeauftragten Dr. Ingo Schliwienski.

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