13.05.2020, von Ralf Kosse

Heute vor genau 20 Jahren: die Feuerwerkskatastrophe von Enschede

Jahrestag einer Katastrophe

Samstag, der 13. Mai 2000: ein heißer Frühsommertag, Sonne pur, beim THW Gronau findet ein "Brennschneid"-Lehrgang auf dem Übungsgelände in Epe statt. Gegen 15 Uhr hören die Helfer des THW Gronau ein Donnern und Grummeln, denken an ein aufziehendes Hitzegewitter. Jedoch bleibt der Himmel strahlend blau. Kurz nach Ende der Brennschneid-Ausbildung: Einsatz!

Schnell werden die KFZ aus den Hallen gefahren, die Helfer ziehen sich um und brausen mit Blaulicht und Martinshorn los über die niederländische Grenze in Gronaus Nachbarstadt Enschede. Dort Chaos, sehr viele Einsatzfahrzeuge von Polizei, Feuerwehr, Rotem Kreuz, alle sowohl aus den Niederlanden als auch einige aus Deutschland.

Eine Feuerwerksfabrik mitten in einem Wohngebiet hatte angefangen zu brennen und war schließlich explodiert. 23 Personen starben, über 900 wurden verletzt. Vier Enscheder Feuerwehrmänner kamen noch während der Löscharbeiten durch die Detonation ums Leben. Ganze Straßenzüge wurden dem Erdboden gleich gemacht. Eine Trümmerwüste präsentierte sich den Gronauer Helfern.

Im Laufe des Abends und der Nacht kümmerten sich die Gronauer THWler in all dem Chaos des Einsatzgeschehens um Notstromversorgung und Beleuchtung hauptsächlich für die Kräfte der Feuerwehr, zudem versorgte der Gronauer THW-Verpflegungstrupp hunderte Einsatzkräfte mit Essen und Getränken. Auch die Überreste des Löschfahrzeuges der verunglückten Feuerwehrleute wurden von den Gronauer THWlern für Nachsuchen ausgeleuchtet.

Ein Einsatz, der sich bei allen Beteiligten bis heute stark in die Erinnerung gebrannt und auch in der Seele der Niederländer einen festen Platz bekommen hat. Der Lichtblick in all dem Unglück: Gute Nachbarn stehen zusammen und helfen sich, wo sie nur können!

Gerade nach diesem Einsatz ist die Zusammenarbeit zwischen den niederländischen und deutschen Feuerwehren, aber auch zwischen den verschiedenen Katastrophenschutzorganisationen auf beiden Seiten der heute kaum noch bedeutsamen Grenze stark intensiviert worden. THW, Malteser, Rotes Kreuz, Johanniter und die Feuerwehren unternehmen viele gemeinsame grenzüberschreitende Übungen und helfen in Einsätzen.

Eigentlich wollten wir jetzt zum 20. Jahrestag als THW Ortsverband Gronau mit unseren Helferinnen und Helfern die Unglücksstelle von damals besuchen. Roombeek, der Stadtteil Enschedes, der seinerzeit fast vollständig vernichtet wurde, ist heute neu aufgebaut und ein pulsierendes Viertel mit herausragender und beeindruckender Architektur. Leider macht uns Corona einen Strich durch die Rechnung. Aber der Besuch bei unseren guten Nachbarn wird nachgeholt!


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