20.07.2016, von Ralf Kosse

Ausbildung Deichverteidigung

Von Sandsäcken, Bermen und Deichgrafen

Was ist eine Berme? Wie "regiert" ein Deichgraf? Was können wir tun, wenn die Flut kommt? Diese Fragen und viel mehr behandelte der Gronauer THW-Helfer Christian Langermann als Ausbilder beim Dienstabend "Deichverteidigung" am vergangenen Freitag in der Unterkunft des THW Gronau. Nach seinem einwöchigen Lehrgang "Deichverteidigung" an der THW-Bundesschule in Hoya hatte Langermann einen abwechslungsreichen multimedialen Vortrag vorbereitet, der Praxisnah den für künftige Hochwasser wichtigen Theorie-Stoff vermittelte.

Teilnehmer des Unterrichts-Abends waren neben den THW-Mitgliedern aus Gronau auch eine Abordnung der Feuerwehr Gronau. Da in Hochwasserlagen, wie zuletzt vor knapp einem Monat in Epe undRhede, das THW eng mit der Feuerwehr zusammenarbeitet, ist das Thema Deichverteidigung und Hochwasserschutz für die Feuerwehr ebenso wichtig wie für das THW. Traditionell ist dieZusammenarbeit zwischen dem THW und der Feuerwehr aus Gronau sehr eng, es gab in der Vergangenheit häufig gemeinsame Ausbildungen.

Nach einem einführenden historischen Film über das verheerende Hochwasser in Hamburg nach einer Sturmflut im Jahr 1962 erläuterte Langermann die Bedeutung des Hochwasserschutzes und des Deichbaus in Deutschland. THW-Helfer Ralf Kosse veranschaulichte die theoretischen Themen immer wieder mit Bilden und Erfahrungsberichten aus den Hochwassereinsätzen des THW Gronau der letzten 20 Jahre, wie dem Oder-Hochwasser 1997, den Elbe-Hochwassern 2002 und 2013, sowie Hochwassern in Gronau 2010 und 2016.

Nach Grundsätzlichem wie dem Befüllen von Sandsäcken sowie deren korrekter Verlegung bildete der Aufbau einen Deiches und seine typischen Schadensformen bei Hochwassern den tieferen Einstieg in das Thema Deichverteidigung, worauf eine intensive Erläuterung der klassischen Maßnahmen zur Deichverteidigung folgte. Dabei lernten die Beteiligten, dass es nicht einfach damit getan ist, möglichst viele Sandsäcke auf den Deich zu stapeln, da ein falsches Vorgehen einen Deichbruch eher fördern statt verhindern kann. So sorgte auch die Aussage "Ein Deich ist niemals zu 100% dicht - er soll sogar im Ernstfall lieber ein bisschen Wasser durchlassen, statt zu brechen" für anfängliches Erstaunen. 

Die theoretischen Grundlagen des Sandsack-Verbaus konnten mittels eines von Langermann privat gebauten Deich-Modells mit Mini-Dandsäckchen praktisch erprobt werden. Auflasten, Quellkaden, Auflasten mit Entwässerung und mehr konnten von den Schulungs-Teilnehmern ausprobiert und verinnerlicht werden.

Am Ende des Abends waren alle Teilnehmer um viele neue Begriffe reicher, so sind KadenBermenKolkungenKronen oder Faschinen nun keine "böhmischen Dörfer mehr". Auch das Wissen um Spezial-Hlfsmittel, wie Sandsackfüllmaschinen, Schlauch-Sandsack-Systeme zum blitzschnellen Sichern von ganzen Straßenzügen oder Quick-Systemen zur Deicherhöhung ist nun bei den Entscheidungsträgern für zukünftige Hochwasser in den Köpfen. Dies war auch eine wichtige Erkenntnis für die anwesenden Feuerwehrmänner, die dieses Wissen in die Einsatzleitungen tragen können.

Die Ausbildung wird in den nächsten Wochen um einen praktischen Teil an der Gronauer Dinkel erweitert, so werden die in der Theorie erlernten Deichsicherungsmaßnahmen auch mit echten Sandsäcken erprobt.


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